Chronobiologie der Haut: Was die Wissenschaft über nächtliche Zellregeneration wirklich weiß

Chronobiologie der Haut: Was die Wissenschaft über nächtliche Zellregeneration wirklich weiß

Die Chronobiologie, also die Wissenschaft der biologischen Rhythmen, hat in den letzten Jahren unser Verständnis der Haut deutlich erweitert. Was lange wie eine Marketingphrase klang, ist teilweise durch Forschung belegt: Die Nacht ist nicht nur eine Pause, denn einige Prozesse der Haut laufen nachts nachweislich verstärkt. Gleichzeitig sind manche Fragen noch offen. Wir erklären, was gesichert ist und was nicht.

1. Die zirkadiane Uhr der Hautzellen

Auch Zellen der Haut, darunter Keratinozyten, Fibroblasten und Haarfollikel, tragen eine molekulare Uhr in sich: einen Mechanismus aus ineinandergreifenden Genen und Proteinen (unter anderem CLOCK, BMAL1 und PER), der vom Hell-Dunkel-Rhythmus und der zentralen Körperuhr getaktet wird. Diese innere Uhr beeinflusst unter anderem:

  • Die Zellteilung: Die Proliferation der Keratinozyten erreicht Studien zufolge etwa um Mitternacht ihren Höhepunkt.
  • Die DNA-Reparatur: Mehrere Übersichtsarbeiten beschreiben einen Höhepunkt der Reparatur UV-bedingter DNA-Schäden in der Nacht. Die Datenlage ist dazu allerdings nicht völlig einheitlich.
  • Die Hautbarriere: Abends und nachts ist die Haut durchlässiger, und der transepidermale Wasserverlust (TEWL) steigt gegen Tagesende. Feuchtigkeitspflege am Abend könnte deshalb besonders sinnvoll sein.
  • Die Durchblutung: Die Hautdurchblutung nimmt am späten Nachmittag und nachts zu.

Wichtig zur Einordnung: Dass die Haut nachts pauschal „mehr repariert“ als tagsüber, ist so nicht belegt. Belegt sind zirkadiane Schwankungen einzelner Prozesse.

2. Was passiert, wenn der Schlaf gestört ist?

Schichtarbeit, Jetlag und chronischer Schlafmangel können die zirkadiane Regulation durcheinanderbringen. Für die Haut gibt es dazu Hinweise aus einer Studie des University Hospitals Case Medical Center in Cleveland aus dem Jahr 2013, die im Auftrag von Estée Lauder durchgeführt wurde. Verglichen wurden 60 Frauen zwischen 30 und 49 Jahren mit guter und schlechter Schlafqualität:

  • Schlechte Schläferinnen zeigten mehr Zeichen der intrinsischen Hautalterung, etwa feine Linien, ungleichmäßige Pigmentierung und nachlassende Elastizität.
  • Sie erholten sich langsamer von UV-bedingten Rötungen.
  • Auch die Erholung der Hautbarriere nach einer Störung fiel bei ihnen schwächer aus.

Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für Ursache und Wirkung, und die Stichprobe war klein. Sie passt aber zu dem, was Übersichtsarbeiten beschreiben: Für eine intakte Reparaturleistung der Haut scheint ausreichend Schlaf wichtig zu sein.

???? Empfehlung der Redaktion:
Estée Lauder erforscht den Zusammenhang von Schlaf und Hautgesundheit seit Jahren und hat dieses Wissen in sein Advanced Night Repair Serum einfließen lassen. Das Nachtserum zur Hautregeneration setzt nach Angaben der Marke auf die Chronolux™ Power Signal Technologie, die die natürlichen nächtlichen Reparaturprozesse der Haut unterstützen soll.

3. Wann ist der beste Zeitpunkt für Nachtpflege?

Aus chronobiologischer Sicht spricht einiges dafür, Pflege mit Wirkstoffen am Abend aufzutragen: Die Haut ist durchlässiger, die Durchblutung nimmt zu, und die Belastung durch UV-Strahlung fällt weg. Übersichtsarbeiten schlagen deshalb vor, Sonnenschutz tagsüber und reparierende Pflege nachts einzusetzen. Eine exakte „ideale“ Uhrzeit, etwa zwischen 21 und 23 Uhr, ist wissenschaftlich allerdings nicht gesichert.

Zu bedenken ist außerdem: Die höhere Durchlässigkeit am Abend kann auch bedeuten, dass die Haut empfindlicher auf Reizungen reagiert. Starke Wirkstoffe wie Retinol oder Säuren sollten deshalb langsam eingeführt werden.

???? Was das für Ihre Pflegestrategie bedeutetVerlegen Sie intensive Seren und reichhaltigere Pflege in Ihre Abendroutine, und beschränken Sie sich morgens auf leichte, schützende Formeln mit LSF. Wie stark die Tageszeit die Wirkung eines Produkts tatsächlich beeinflusst, hängt vom Wirkstoff ab und ist für viele Produkte noch nicht gut untersucht.