WARUM ES WICHTIG IST, PATIENTEN WARM ZU HALTEN – ODER – IST EIN UNTERKÜHLTER PATIENT FÜR EUCH OK?

“No previously healthy person should die of hypothermia after they have been rescued and treatment has been started.” – Kein prinzipiell gesunder Mensch sollte an Hypothermie sterben, sobald er gerettet und behandelt wird.
Cameron C. Bangs, M.D. The Mountaineers 1986.

Um einem hypothermischen Patienten zu helfen, muss stoffwechselbedingter Wärmeverlust auf die metabolische Wärmeproduktion abgestimmt werden.

Ursachen von Hypothermie:
• Pimäre Hypothermie: Normale physiologische Wärmeregulierungsprozesse laufen, sind aber machtlos gegen die Umgebungsbedingungen.
• Sekundäre Hypothermie: Physiologische Wärmeregulierung kann aufgrund von Verletzung, Krankheit oder Überanstrengung nicht stattfinden und führt zur Kälteunverträglichkeit.
• Klinisch herbeigeführte Hypothermie: ein Absenken der Körperkerntemperatur wird durch operative Eingriffe herbeigeführt (zB kardiopulmonaler Bypass).

Klassifizierung von Hypothermie:
Viele medizinische Organisationen haben ihre eigene Klassifizeriung von Hypothermie erstellt und die spezifischen klinischen Symptome ihrer Patienten den verschiedenen Unterteilungen zugeordnet. Diese Skalen sind in verschiedene Körperkerntemperaturbereiche unterteilt. Diese Temperaturbereiche können zusätzlich im Falle von vorliegenden Verletzungen schwanken. Nimmt man zB einen Traumapatienten, so wird dieser viel anfälliger für einen Wärmeverlust sein und möglicherweise eine kritische Hypothermiestufe erreichen, selbst wenn sein Körperkern bis zu 4°C wärmer ist als bei einem Patienten, der keine traumatische Verletzung aufweist.

Die Vielzahl an Hypothermieskalen führt zu einer gewissen Unsicherheit unter den Gesundheitsdienstleistern, sodass diese oftmals nicht wissen, wie sie einen unterkühlten Patienten behandeln sollen. Wir empfehlen daher, dass sich die Gesundheitsorganisation, für die Sie arbeiten, für ein Klassifizierungssystem entscheidet – oder zumindest ein klinisch validiertes Klassifizierungssystem übernimmt und entsprechend ihren Gegebenheiten anpasst und sich zu eigen macht. Klinische Daten werden aus gutem Grund gesammelt, also sollten sie auch verwendet werden!

Ist nicht ganz genau oder gar nicht klar, welchen Hypothermielevel der Patient hat, kann man ihn auch nicht bestmöglich behandeln!

Mechanismen eines Körperwärmeverlustes: Merke: Wärme = Energie
Wärmeverlust durch Abstrahlung:
o Wärme wird von der Körperenergie abgestrahlt
• Das fühlt man, wenn man in einen überfüllten Raum eintritt.
o Trägt nur geringfügig zu Hypothermie bei
o Kann verhindert werden, indem der Körper mit reflektierendem Material bedeckt wird

Wärmeverlust durch Ableitung:
o Wärme wird vom Körper auf einen Feststoff übertragen
• Das fühlt man, wenn man sich auf einen Stuhl setzt, auf dem gerade noch jemand anderer gesessen hat.
o Die Intensität der Wärmeleitung hängt vom Temperaturgradienten ab.
o Die Wärmeleitung hängt von der Größe der Oberfläche ab.
o Kann durch schlechte Wärmeleiter und gute Isolierung vermindert werden
o Ohne Leitfähigkeit gibt es keine Übertragung der Körperwärme.

Wärmeverlust durch Konvektion/ Wärmeströmung:
o Körperwärme wird an ein Fluid – Luft oder Wasser – abgegeben.
o Die Intensität des Wärmeverlustes hängt vom Temperaturgradienten ab.
o Bei thermischem Ungleichgewicht in einem Fluid (zB warmer Körper in kaltem Wasser) entsteht eine Strömung, die Wärme so lange ableitet, bis in beiden Temperaturzonen
die gleiche Temperatur herrscht.
o Die Stärke des Wärmeverlustes hängt von Oberflächenausdehnung und Dichte ab – Wasser kühlt den Körper stärker ab, als Luft.
• Deshalb wird einem in Wasser schneller kalt.
o Kann vermindert werden, wenn die erwärmte Flüssigkeit oder Luft nahe am Körper gehalten wird.
Wärmeverlust durch Verdampfen/ Atmung:

o Körperwärme wird durch Schwitzen oder Ausatmung abgegeben.
• Deshalb hauchen wir auf unsere Brillengläser, um sie putzen zu können.
o Die Intensität des Wärmeverlustes hängt vom Temperaturgradienten ab.
o Schweiß und Ausatemluft scheiden Körperenergie in Form von Wärme mit aus.
o Kann durch Abtrocknen vermindert werden, bzw. indem die ausgeatmete Luft dicht am Körper gehalten wird.

Sollten weitere Fragen zu den obigen Informationen auftreten, helfen wir gerne weiter. Wenn wir die Antworten nicht selbst zur Hand haben, werden wir sie gerne für Sie herausfinden. Wir sind bemüht, alle Anfragen innerhalb von 72 Stunden zu beantworten. Fragen bitte einfach an info@medicalsci.com