Liebe Kunden, Kollegen und Freunde,

wir haben uns entschieden unsere Geschäftstätigkeit sowohl in Österreich als auch in Deutschland zum Ende des Jahres 2019 aufzugeben.

Detailinfos

Eine Kartoffel wird nicht heiß, nur weil sie in Alufolie gewickelt wird…

Der Titel klingt vielleicht komisch, doch wenn ihr weiterlest, werdet ihr verstehen, was ich meine.

Ich beziehe mich hiermit auf meinen Blog, der schon eine Weile zurückliegt:“WARUM ES WICHTIG IST, PATIENTEN WARM ZU HALTEN…“, verfasst im September 2018. Es ist nämlich an der Zeit, näher darauf einzugehen, wie wichtig der Wärmeerhalt für unsere Patienten ist, die im Krankenhaus oder auch präklinisch in unserer Obhut sind.

Der Blog könnte also auch „WARUM ES WICHTIG IST, PATIENTEN WARM ZU HALTEN 2.0“ genannt werden.

Lasst mich an die Hauptaussage meines Blogs vom vergangenen September anknüpfen: stoffwechselbedingter Wärmeverlust muss mit stoffwechselbedingter Wärmeproduktion bekämpft werden. Klingt einfacher, als es manchmal ist.

Schritt 1:
Als erstes müsst ihr erkennen: nur weil euch warm ist, muss dem Patienten nicht warm sein. Der Patient befindet sich in einem pathophysiologischen, also einem krankhaften Zustand, ihr hingegen hoffentlich nicht. Zusätzlich führen äußere Einflüsse wie längere Zeit in kalter oder nasser Umgebung bzw. Verabreichung von kalten IV-Flüssigkeiten oder Blut zum weiteren Absinken der Körperkerntemperatur eures Patienten.

Schritt 2
Ihr müsst verstehen, dass eine Verletzung – mit oder ohne Blutverlust – das Hypothermiestadium eures Patienten beeinflusst, während es seine Fähigkeit, die Körpertemperatur konstant hoch zu halten, verringert. Diese Fähigkeit, die Körpertemperatur zu regulieren, ist überlebenswichtig. Doch eine traumatische Verletzung beeinflusst diese Fähigkeit negativ. Eine blutende Wunde verschlechtert die Situation, da sie zu einer schlechteren Gewebedurchblutung führt.
Der Patient könnte ganz schnell in Richtung der tödlichen Triade aus Hypothermie (Unterkühlung), Azidose (Übersäuerung) und Koagulopathie (Gerinnungsstörung) abrutschen, die sofort behandelt werden muss.
MERKE: Kälte beeinflusst nicht nur die Körpertemperatur, sondern kann auch schnell zu einer starken Unterkühlung führen, die den Gesamtzustand des Patient durch Übersäuerung und Gerinnungsstörung immens verschlechtert.

Schritt 3:
Lernt die verschiedenen Hypothermiestadien kennen, anhand der Einteilung, die von eurer Medizinorganisation anerkannt wurde.

Hier ist die gängigste Unterteilung der Hypothermiestadien:
1. Stadium – MILDE Hypothermie – Körpertemperatur 32 – 35°C:
a. In Zusammenhang mit traumatischen Verletzungen gilt dieses Stadium bei: 34 – 36°C
b. Einfach erkennbar am Zittern – der Körper versucht, sich selbst zu wärmen
c. Zäheklappern – klingt vielleicht lustig, führt zu undeutlicher Aussprache bzw. Gestotter
d. Weitere klinische Anzeichen und Symptome: erhöhter Blutdruck, schnellere Atmung und Puls sowie gestörtes Einschätzungsvermögen
e. Der Patient muss davor bewahrt werden, das 2. Stadium der Hypothermie zu erreichen
f. IN DIESEM STADIUM HAT DER KÖRPER NOCH GENÜGEND ENERGIE, SICH SELBST WIEDER ZU ERWÄRMEN, WENN ER RASCH VOR ÄUSSEREN KÄLTEEINFLÜSSEN GESCHÜTZT WIRD UND EIN MÖGLICHER BLUTVERLUST KONTROLLIERT WIRD.
– Ein gutes passives Wärmeprodukt/ eine passive Wärmedecke sollte ausreichen
– Wärmeisolation ist sehr wichtig. Durch passiven Wärmeschutz muss verhindert werden, dass die vom Körper selbst generierte Wärme vom Körper entweichen kann
– ABER: wird der Körper nicht entsprechend zugedeckt, wird weiterhin kaltes Blut durch den Körper gepumpt; eine einlagige Gold-Silberdecke reflektiert die Körperwärme bereits ein bisschen. Sie sollte immer mit einer weiteren (Woll-) Decke o.ä. bedeckt werden, um die Körperwärme möglichst nahe am Körper zu halten, sofern die Umgebungstemperatur nicht hoch ist
– 2- oder 3-lagige passive Wärmedecken eignen sich viel besser zur Wärmeisolierung, da sie die vom Körper erzeugte Wärme viel besser rund um den Patienten einschließen
– Das Verabreichen von kalten IV-Flüssigkeiten oder Blut muss vermieden werden, da es den Patienten weiter unterkühlen könnte und ihn möglicherweise zu einer stärkeren Unterkühlung bzw. zum 2. Hypothermiestadium führt

2. Stadium – MITTELGRADIGE Hypothermie – Körpertemperatur 28 – 32°C
a. In Zusammenhang mit traumatischen Verletzungen gilt dieses Stadium bei: 32 – 34°C
b. Der Körper zittert in diesem Stadium möglicherweise nicht mehr
c. Mögliche Symptome sind: unregelmäßiger Herzrhythmus, verringerter Blutdruck, Puls und Atmung sowie eingetrübtes Bewusstsein, herabgesetzte Körperreflexe und erweiterte Pupillen
d. Der Patient muss davor bewahrt werden, das 3. Hypothermiestadium zu erreichen
e. IN DIESEM 2. STADIUM IST DER KÖRPER NICHT MEHR FÄHIG, GENUG WÄRME ZU ERZEUGEN. PASSIVE WÄRMEPRODUKTE ALLEIN KÖNNEN DIE KÖRPERTEMPERATUR NICHT MEHR ERHÖHEN.
– Wärme muss aktiv zugeführt werden – zB durch selbsterwärmende Decken
– Aktive Wärmedecken o.ä. dürfen niemals direkt auf die bloße Haut des Patienten gelegt werden – Bekleidung oder ein Laken muss zwischen Haut und Wärmequelle liegen
– Die Wärmedecke muss zusätzlich bedeckt werden (zB mit Kleidung oder einer passiven Wärmedecke), um die Wärme möglichst nahe am Patienten zu halten; BEDENKE: warme Luft steigt auf. Der Patient soll gewärmt werden, nicht die Umgebungsluft
– Der Patient darf nicht auf die aktive Wärmequelle gelegt werden, da der Druck und der enge Hautkontakt zu Hautschäden führen könnte
f. NIEMALS kalte IV-Flüssigkeiten oder kaltes Blut verabreichen
– Flüssigkeiten oder Blut müssen mit allen verfügbaren Mitteln erwärmt werden, bevor sie dem Patienten in diesem Stadium intravenös verabreicht werden
– Während der Verabreichung müssen Flüssigkeiten oder Blut weiterhin vor Kälte geschützt werden
– Die Verwendung eines Blut- und Flüssigkeitswärmersystems wird dringend empfohlen

3. Stadium – SCHWERE Hypothermie – Körpertemperatur < 28°C:
a. In Zusammenhang mit traumatischen Verletzungen gilt dieses Stadium ab < 32°C
b. Zu den Symptomen zählen Atemnot, lichtstarre Pupillen, Herzrhythmusstörungen, Lungenödem – sie führen zum Herzstillstand
c. Jetzt ist es an euch, schnell und richtig zu handeln und so dem Patienten das Leben zu retten
d. IM 3. STADIUM IST DAS BLUT DES PATIENTEN ZU EINEM GROSSEN TEIL ÜBERSÄUERT, BESONDERS IN DEN EXTREMITÄTEN
– Wird der Patient plötzlich bewegt, wird das übersäuerte Blut ins Herz gepumpt und kann zum Herzstillstand führen – daher muss beim Transfer und der Behandlung mit besonderer Sorgfalt vorgegangen werden
– Der Patient sollte wenn möglich in einer horizontalen Position bleiben
e. Die Schritte aus Punkt e – 2. Stadium – müssen unverzüglich umgesetzt werden
f. AUF KEINEN FALL kalte IV-Flüssigkeiten oder kaltes Blut verabreichen!!
– IV-Flüssigkeiten oder Blut müssen vor dem Verabreichen mit allen verfügbaren Mitteln erwärmt werden
– Während der Verabreichung müssen IV-Flüssigkeiten und Blut weiter vor Kälte geschützt werden
– Die Verwendung eines Blut- und Flüssigkeitswärmers wird dringend empfohlen

Produktempfehlungen zu den 3 Hypothermiestadien
1. Stadium
– Wenn gerade nur eine einlagige Gold -Silberdecke zur Verfügung steht, verwendet diese! Bedeckt damit soviel vom Körper des Patienten wie möglich. Darüber legt ihr eine (Woll-) Decke oder jede andere verfügbare improvisierte Hülle, um die Wärme einzuschließen
– Am besten geeignet: 2- oder 3-lagige Hypothermiedecken, wie etwa MediWrap® https://www.cantelmedical.co.uk/product/mediwrap-passive-warming-products/ oder Blizzard Reflexcell™ https://www.blizzardsurvival.com/
– Wenn IV-Flüssigkeiten oder Blut benötigt werden, müssen diese schon bei kurzen Rettungs-/ Transportwegen so warm wie möglich gehalten werden; nach Möglichkeit mithilfe eines Blut- und Flüssigkeitswärmersystems, wie QinFlow Warrior oder QinFlow Warrior Lite www.qinflow.com
– Bei längeren Rettungs-/ Transportzeiten solltet ihr unbedingt einen Blut- und Flüssigkeitswärmer verwenden, wie QinFlow Warrior oder QinFlow Warrior Lite (www.qinflow.com)

2. Stadium
– Ohne aktive Wärmequellen müsst ihr einen Wettlauf gegen die Zeit bestreiten, um den Patienten möglichst schnell in eine Einrichtung zu bringen, in der aktive Wärmedecken o.ä. verfügbar sind
– Verwendet aktive Wärmedecken – im Idealfall selbsterhitzende Decken, ohne Batterie
– Am besten geeignete aktive Wärmedecke: Ready-Heat™ https://www.ready-heat.com/
– Am besten geeigneter Blut- und Flüssigkeitswärmer: QinFlow Warrior oder QinFlow Warrior Lite http://www.qinflow.comwww.qinflow.com

3. Stadium
– Ohne aktive Wärmequelle sind die Chancen sehr gering, dass ihr eurem Patienten das Leben retten könnt
– Verwendet aktive Wärmedecken, im Idealfall selbsterhitzende Decken, ohne Batterie
– Am besten geeignete aktive Wärmedecke: Ready-Heat™ https://www.ready-heat.com/https://www.ready-heat.com/
– Bedeckt die aktive Wärmedecke mit einer passiven Wärmedecke, wie MediWrap®  (https://www.cantelmedical.com) oder Blizzard Reflexcell™ https://www.blizzardsurvival.com/
– Am besten geeigneter Blut- und Flüssigkeitswärmer: QinFlow Warrior oder QinFlow Warrior Lite http://www.qinflow.com\

Empfohlene Publikationen und Literatur:
– Pozos, R., Chapter 11, Human physiological responses to cold stress and hypothermia: Medical Aspects of Harsh Environments, Volume 1
– Mills, W. Jr., Chapter 14, Clinical aspects of freezing cold injury: Medical Aspects of Harsh Environments, Volume 1
– McCullough, L., Diagnosis and treatment of hypothermia. American Family Physician, Dec. 15, 2004, Volume 70, Number 12
– Lehavi, A., et al., Comparison of the performance of battery-operated fluid warmers. Emerg Med J 2018; 0:1-7.
– Beilman, G.J., Early hypothermia in severely injured trauma patients is a significant risk factor for multiple organ dysfunction syndrome but not mortality. Annals of Surgery. 249(5): 845-850, May 2009

Für weitere Fragen und Informationen zu diesem Thema stehe ich sehr gerne zur Verfügung: info@medicalsci.com