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Detailinfos

Wo liegt der Unterschied zwischen den verschiedenen Hämostyptika?

Es gibt immer mehr veröffentlichte Artikel über die Verwendung von verschiedenen Hämostyptika. Doch wie kommt das? Die Antwort ist ganz simpel: Blutungen müssen gestillt werden.
Viele dieser Artikel zeigen die Unterschiede zwischen den aktiven Blutstillungswirkstoffen; dennoch sind mir in letzter Zeit einige Artikel aufgefallen, die falsche Informationen darüber verbreiten – extrem falsche Informationen. Bei all jenen von uns, die sich auf die Erfahrung, das Wissen und die Expertise der Autoren und Herausgeber/Redakteure diverser Zeitschriften verlassen und darauf vertrauen, dass die publizierten Inhalte korrekt sind, führt das zu Verwirrung und möglicherweise auch zu Ärger.
Wir alle benötigen objektive, sachlich korrekte Information und keine subjektive Fehlinformation.

Daher hat dieser Blog den Zweck, einige Dinge klarzustellen und höchst objektive und präzise Informationen zur Verfügung zu stellen.

Wie funktionieren die verschiedenen hämostatischen Wirkstoffe?

        • Zeolith – ist ein Vulkangesteinderivat, das chemisch inert ist und eine physikalische (keine chemische) Wirkung erzielt. Zeolith enthält keine menschlichen, tierischen oder botanischen Proteine.
          • Das erste Zeolithprodukt, in Form von losem Granulat, wurde in den USA von Z-Medica hergestellt und von der FDA im Mai 2002 unter dem Namen QuikClot zugelassen.
          • Wenn die Zeolithkörnchen mit einer blutenden Wunde in Kontakt kamen, wurden die kleineren Wassermoleküle vom Zeolith absorbiert, was zu einer raschen Koagulation und zur Entstehung von Blutclots führte >> die Blutung wurde somit gestillt.
          • Die Blutung wurde gestoppt, weil die Blutplättchen und Gerinnungsfaktoren ungehindert Blutgerinnsel bilden konnten.
          • Die physikalische Wirkung des Zeoliths erzeugte Hitze, aber die Hitze war nicht das Wirkungsprinzip. Vielmehr funktionierte die Blutstillung deshalb, weil Wasser absorbiert wurde.
          • 2005 brachte Z-Medica die zweite Generation ihres Zeolithproduktes hervor: Das Granulat war jetzt in einem Säckchen verarbeitet, das direkt auf die blutende Wunde appliziert werden sollte und unter dem Namen QuikClot ACS™ erhältlich war.
          • Die dritte Generation der Zeolithprodukte wurde 2007 von Z-Medica herausgebracht und ACS+™ genannt.
            • Dabei handelte es sich um eine kühlere Version, die weniger Hitze produzierte, während sie dieselbe physikalische Wirkung erzielte, indem sie Wassermoleküle absorbierte>> die Blutung wurde gestillt.
            • Der Artikel war ebenfalls in Säckchenform, in den Größen 25g oder 100g, erhältlich.
          • Zeolith-Hämostypktika werden nicht mehr produziert. Sollten Zeolith-Produkte in einem aktuell veröffentlichten Artikel genannt werden, dann sollten sie nur rückblickend erwähnt werden.

       

            • Kaolin – ist ein Tonerdederivat und enthält das Mineral Kaolinit. Kaolin enthält keinerlei menschliche, tierische oder botanische Proteine.
              • Kaolin wurde 2008 von der US-Firma Z-Medica als in medizinische Gaze eingearbeiteter hämostatischer Wirkstoff auf den Markt gebracht.
                • Das war die Geburtsstunde der 4. Generation der Hämostyptika von Z-Medica.
                  • In den USA und vielen anderen Teilen der Erde wurde diese 4.Generation unter dem Markennamen QuikClot Combat Gauze®
                  • In den europäischen Markt wurde dasselbe Produkt unter dem Namen QuikClot® Z-Folded Gauze™ eingeführt.
                    • Seit Ende 2016 wird der Markenname QuikClot Combat Gauze® auch von den EU-Behörden als rechtmäßiger Produktname akzeptiert.
                • Die medizinische Vliesgaze ist mit Kaolin imprägniert und wird bei blutenden Wunden zur Blutstillung eingesetzt.
                • Kaolin aktiviert den intrinsischen Koagulationsvorgang (Blutgerinnungskaskade) des Verwundeten…
                • … aktiviert Faktor XII, Faktor XI und Präkallikrein -> die Blutung wird gestillt.
                • Die Blutung wird gestillt, weil durch die Manipulation der Gerinnungskaskade Blutkoagel entstehen.
                • Im Gegensatz zu Zeolith produziert Kaolin keine Wärme.
                  • Leider wird QuikClot® trotzdem in vielen Publikationen fälschlicherweise mit einer Wärmeentwicklung assoziiert, doch das ist nicht korrekt.
                  • Manche Anwender sind zu dem Schluss gekommen, dass Kaolin nicht funktioniert, wenn die Blutgerinnungskaskade durch Gerinnungshemmer (wie etwa Vitamin-K-Antagonisten, unfraktioniertes Heparin, Antiaggreganten oder Thrombininhibitoren) unterbrochen wird.
                    • Allerdings ist das laut unabhängigen „peer-reviewed“ Publikationen nicht korrekt.
                    • Hier eine kurze Referenzenliste dazu:
                      1. Cripps ME, et al.; In Vitro Effects of a Kaolin Coated Hemostatic Dressing on Anticoagulated Blood; J Trauma Acute Care Surg. September 2018; 85: 485-490
                      2. Travers S, et al.; Hemostatic dressings in civil prehospital practice: 30 uses of QuikClot Combat Gauze; European Journal of Emergency Medicine. September 2015
                      3. Bar J, et al.; Assessing Coagulation by Rotational Thromboelastometry (ROTEM) in Rivaroxaban-Anticoagulated Blood Using Hemostatic Agents; Prehospital and Disaster Medicine. Oktober 2017
                      4. Vilardo N, et al.; The use of QuikClot combat gauze in cervical and vaginal hemorrhage; Gynecologic Oncology Reports. 21 (2017)
                      5. Garcia-Blanco J, et al.; The Effects of Movement on Hemorrhage When QuikClot® Combat Gauze™ Is Used in a Hypothermic Hemodiluted Porcine Model. J Spec Oper Med. 2015 Spring; 15(1):57-60
                      6. Johnson D, et al.; The effects of QuikClot Combat Gauze® on hemorrhage control in the presence of hemodilution and hypothermia. Ann Med Surg. 2014 June; 3(2):21-25
                      7. Sena MJ, et al.; Pilot study of the use of kaolin-impregnated gauze (Combat Gauze) for packing high-grade hepatic injuries in a hypothermic coagulopathic swine model. J Surg Res. 2013 Aug; 183(2):704-9
                      8. Allison HA.; Hemorrhage Control: Lessons Learned From the Battlefield Use of Hemostatic Agents That Can Be Applied in a Hospital Setting. Crit Care Nurs Q. 2019 Apr/Jun; 42(2):165-172. doi: 10.1097/CNQ.0000000000000249. PubMed PMID: 30807340
                      9. Boulton AJ, Lewis CT, Naumann DN, Midwinter MJ. Prehospital haemostatic dressings for trauma: a systematic review. Emerg Med J. 2018 Jul; 35(7):449-457. doi: 10.1136/emermed-2018-207523. Epub 2018 May 4. Review. PubMed PMID: 29728411
                      10. George T, et al. Impact of Marine Exposure on Hemostatic Gauzes Using Thromboelastography. J Spec Oper Med. Spring 2019;19(1):89-94. PubMed PMID: 30859534.

                 

                      • Chitosan – ist ein Derivat der harten äußeren Schale von Meeresfrüchten, die mithilfe von alkalischen Substanzen aufbereitet wird.
                        • Chitosanprodukte wurden im Jahr 2002 zum ersten Mal vom US-Hersteller HemCon Medical Technologies unter dem Namen HemCon® Bandage vorgestellt.
                          • Heute gibt es bereits viele Generationen und verschiedene Hersteller von chitosanbasierten Hämostyptika.
                          • Einige der gängigsten Markennamen sind:
                            • ChitoGauze® PRO
                            • Celox™ Gauze
                            • ChitoSAM™ 100
                          • Zu dem Zeitpunkt, als diese Blog verfasst wurde, und laut bestem Wissen der Verfasserin, sind Chitosanprodukte in Schwamm- und Gazenform erhältlich.
                          • Werden diese Produkte auf eiener blutenden Wunde angewendet, werden durch das Chitosan die Blutplättchen aktiviert, was die roten Blutkörperchen „klebriger“ macht – > die Blutung wird gestillt.
                          • Die Blutung stoppt, indem die roten Blutkörperchen gelartige Clots bilden – manche Anwender nennen das auch Wundtamponade oder andere nennen sie Pseudo-Clots.
                          • Manche Anwender sind zu dem Schluss gekommen, dass Chitosanprodukte – eben weil sie aufgrund einer Plättchenaktivierung zur Blutgerinnung führen und nicht der intrinsischen/extrinsischen Blutgerinnungskaskade folgen – bei Patienten, die Gerinnungshemmer nehmen, effektiver wirken.
                              • Siehe dazu: Refernzenliste oben.
                              •  
                                Empfehlungen des Committee on Tactical Combat Casualty Care (CoTCCC) – gültig seit 2008:
                                TCCC Guidelines for Medical Personnel, 1, August, 2018 https://www.deployedmedicine.com/market/11
                                Massive Hemorrhage – Point 3:
                                a. “Assess for unrecognized hemorrhage and control all sources of bleeding. If not already done, use a CoTCCC-recommended limb tourniquet to control life-threatening external hemorrhage that is anatomically amenable to tourniquet use or for any traumatic amputation. Apply directly to the skin 2-3 inches above the bleeding site. If bleeding is not controlled with the first tourniquet, apply a second tourniquet side-by-side with the first.”
                                b. “For compressible (external) hemorrhage not amenable to limb tourniquet use or as an adjunct to tourniquet removal, use Combat Gauze as the CoTCCC hemostatic dressing of choice.”
                                – Alternative hemostatic adjuncts:
                                – Celox Gauze or
                                – ChitoGauze or
                                – XStat (best for deep, narrow-tract junctional wounds)
                                – “Hemostatic dressings should be applied with at least 3 minutes of direct pressure (optional for XStat). Each dressing works differently, so if one fails to control bleeding, it may be removed and a fresh dressing of the same type or a different type applied. (Note: XStat is not to be removed in the field, but additional XStat, other hemostatic adjuncts, or trauma dressings may be applied over it.)”
                                – “If the bleeding site is amenable to use of a junctional tourniquet, immediately apply a CoTCCC-recommended junctional tourniquet. Do not delay in the application of the junctional tourniquet once it is ready for use. Apply hemostatic dressings with direct pressure if a junctional tourniquet is not available or while the junctional tourniquet is being readied for use.”

                                Meine Abschlussbemerkungen:

                                        • Jeder, der Hämostyptika verwendet, muss genau wissen, was er braucht und welche Produkte verfügbar sind.
                                        • Jeder, der Hämosyptika verwendet, muss sich darüber im Klaren sein, dass das Verschließen einer Wunde durch Blutclots Leben retten kann.
                                        • Jeder, der Hämostyptika verwendet, muss sehr behutsam vorghen, um diese Blutclots nicht zu lösen, weil der Patient sonst wieder in einer lebensbedrohlichen Lage ist.

                                Sollten weitere Fragen zu den obigen Informationen auftreten, helfen wir gerne weiter. Wenn wir die Antworten nicht selbst zur Hand haben, werden wir sie gerne herausfinden. Wir sind bemüht, alle Anfragen innerhalb von 72 Stunden zu beantworten. Anfragen bitte an: info@medicalsci.com